5 Arten von (erfolgreichen) Künstler:innen – und was das für deine Arbeit bedeutet. Auch wenn du selbst keine Künstlerin bist oder sein willst.

Es gibt meiner Beobachtung nach verschiedene Arten von Künstler:innen, die mit ihrer Kunst zu Lebzeiten Erfolg haben. Von fünf dieser Typen will ich dir heute berichten.

Ich habe in den letzten 10 Jahren von all diesen Typen direkt oder indirekt unglaublich viel gelernt – über mich, über “gute” Kunst, über meinen Platz im Leben, meine Werte und Vorstellungen, wie ich als Mensch privat und beruflich dieser Welt begegnen und sie mitgestalten möchte.

Und weil ich glaube, dass das auch eine spannende Reflexion sein könnte, wenn du selbst keine schaffende Künstlerin bist – teile ich hier meine (wirklich sehr persönlichen) Beobachtungen mit dir.

Ich hab jedem der fünf Künstlertypen einen eigenen Namen gegeben, damit wir uns leichter darüber austauschen können und du das auch auf deinen Berufszweig anwenden kannst (das scheint vielleicht erstmal weit hergeholt, wenn du gleich die Beschreibungen der 5 Typen liest – weiter unten kommt dazu aber noch mehr!)

In der Realität gibt es natürlich zwischen allen Typen Überschneidungen, dazu auch später noch mehr. Jetzt lass uns erstmal die Versuche der 5 Typen ansehen:

Die Celebrity, die Lehrerin, die Aktivistin, die Mentorin und die Lebensmuse.

Die 5 Arten der zu Lebzeiten erfolgreichen Künstler:innen

1 – Die Celebrity: schafft Status

Die Kunst und ihr:e Künstler:in werden wie eine trendy Marke gehandelt. Die Werke selbst werden vorrangig als finanzielles Investment und/oder Statussymbol gekauft. Der wahre Mensch hinter der Kunst interessiert nur marginal bis gar nicht, denn es wird ein Bild vom exzentrischen Künstler inszeniert, der mit roher Schaffenskraft den (traditionellen Kunst)Markt aufmischt. Extreme Innovation wird gefeiert – zumindest im Rahmen elitärer Kreise.

Ihre Kunst kann, muss aber nicht, politisch sein, ist meistens polarisierend und oft wird über sie in den Medien so berichtet, dass “nicht-kunstaffine” Menschen die Werke nicht verstehen können.

Elitäre Sprache und abstrakte Konzepte, die mit dem realen Alltag der Mehrheitsgesellschaft nichts zu tun haben, werden zur Inszenierung des Status genutzt.

Leider sind die schrillsten Celebrity-Künstlertypen, was Menschen in unserem Umfeld im Kopf haben, wenn sie hören, dass du Künstler:in sein willst und dir sagen, dass du das niemals schaffen kannst, weil du „nicht laut und exzentrisch genug“ bist. O-Ton einer damaligen Freundin, als ich ihr vor vielen vielen Jahren von meinem Traum erzählt hatte.

(Entweder das, oder sie fürchten, dass du zum Starving Artist wirst – den wir hier aber nicht anschauen, denn hier geht’s um die Künstler:innen, die zu ihren Lebzeiten von und mit ihrer Kunst leben können.)

2 – Die Lehrerin: fördert kreativen Ausdruck

Dieser Künstler:innen-Typ malt meist das, worauf sie Lust hat und was ihr so in den Sinn kommt und entwickelt mit der Zeit einen eigenen Stil, den die Menschen mögen, weil er “schön” ist.

Oft finden sich in ihrer Followerschaft eine Menge anderer Künstler:innen, die auch lernen wollen so zu malen.

Dieser Typ verkauft oft auch eigene Werke, vor allem sind sie allerdings als Guide für andere (werdende) Künstler:innen tätig und vermitteln ihre Technik, Herangehensweise und ihren Stil. Bei Lehrer:innen kann es sein (muss aber nicht), dass die Kunst vor allem als Deko-Objekt oder als rein kreativer, intuitiver Selbstausdruck gesehen wird.

Entweder werden Werke nach Prinzipien wie Perspektive, Bildausschnitt, Farben geplant und umgesetzt (zum Beispiel bei realistischen Landschaften oder Porträts) – oder es wird der Ansatz vertreten, dass gute Kunst aus dem Herzen kommen muss und man einfach drauf losmalen soll (besonders in der abstrakteren “Seelenmalerei” sehr verbreitet).

Die tiefere Botschaft des Werks wird – wenn überhaupt – erst nach dessen Entstehung reflektiert (im Gegensatz zur Mentorin, siehe Typ 4).

3 – Die Aktivistin: bringt in Bewegung

Die Aktivistin nutzt ihre kreative Schaffenskraft, um auf Missstände aufmerksam zu machen und/oder den Blick auf Themen zu lenken, die in der breiten Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit und dringend Veränderung benötigen.

Sie lebt einen starken Wertekompass und ihre Kunst nutzt sie als Sprachrohr und Werkzeug zur Vermittlung und Verbindung. Oft ist sie sehr gut vernetzt und sie bereichert mit ihrem Werk Veranstaltungen und Projekte, die dem Thema eine Bühne geben.

Ihre Werke müssen nicht „schön“ sein und sind nicht zum Wohlfühlen gedacht.

Es geht immer um eine starke Botschaft, die Kultur verändern soll.

Dabei gibt es zwei Perspektiven, die dieser Typ einnehmen kann:

Während die einen Aktivist:innen Missstände aufzeigen und die Mehrheitsgesellschaft wachrütteln wollen und dabei teils auch schockierende, düstere und gewaltvolle Kunst produzieren, um diesen Effekt zu kreieren, konzentrieren sich andere mit ihrem Wirken auf die Bestärkung der von den Missständen Betroffenen und veranstalten Kurse, nutzen ihre Reichweite, um Crowdfundings zu unterstützen oder machen mit ihrer Kunst Begegnungs- und Auffangräume lebenswerter.

Durch Kooperation und Vernetzung schafft dieser Künstler:innen-Typ Awareness und gewinnt neue Unterstützer:innen für den größeren Cause.

Sie ist außerdem oft eine große Inspiration für andere Menschen, die gerne etwas zur Gesellschaft beitragen wollen, aber nicht wissen, wie: Als Vorbild, wie man die eigenen zur Verfügung stehenden Ressourcen und Talente für etwas Sinnvolles einsetzen kann.

4 – Die Mentorin: stärkt Identität

Im Gegensatz zur Aktivistin, die kollektiv bewegt, geht es der Mentorin um die Bestärkung eines Individuums. Die Werke und das übergeordnete Thema, das das künstlerische Gesamtwerk zusammenhält, stehen im Mittelpunkt, wobei es sich dabei um erstrebenswerte individuelle Ideale für ein persönlich gut gelebtes Leben geht.

Die Mentorin ist im engen Austausch mit einzelnen Sammler:innen und ihre Werke entstehen aus dieser Verbindung als bestärkende Botschaften und Anker. Selbstausdruck und Intuition sind ihr nicht so wichtig, wie die erhebende Wirkung, die ihr Werk für den/die Betrachter:in haben soll.

Nach außen hin zeigt sie sich als absichtsvolle:r Gestalter:in ihrer Werke, hält sich aber menschlich und persönlich eher im Hintergrund. Wenn sie Persönliches teilt, dann sehr bewusst ausgewählte Details, ausschließlich passend zum Thema ihrer Arbeit, um eine gemeinsame Basis für Vertrauen mit ihren Sammler:innen zu schaffen.

Ihre Werke entstehen nach sorgfältiger thematischer Konzipierung. Sie entscheidet bereits vorher, was sie ausdrücken möchte und prüft im Malprozess immer wieder, ob die Gestaltung die gewünschte Botschaft klar transportiert. Es geht ihr um die vermittelten Werte, die sie mit ihren Sammler:innen teilt und sie macht meist mittel- bis große, eher hochpreisige Kunst für Einzelpersonen.

Kunst ist hier weder “innvoativ” noch “dekorativ” gedacht, sondern dient als Mittel zur Ausrichtung auf höhere Werte, Ideale und Visionen im Alltag der Menschen.

5 – Die LebensMuse: bringt den Zauber zurück

Die fünfte Art sind die Künstler:innen, die oftmals eher kleinere Werke gestalten und darüber teilen, was sie im Alltag an kostbaren Momenten oder Eindrücken beobachtet und gesammelt haben. Sie machen ebenfalls Kunst, die Identität stiften und innerlich stärken soll, sind aber gleichzeitig Pionier:innen alternativer, oft sehr achtsamer, langsamer, kreativer oder auch bunter, eigensinniger Lebensphilosophien im ganz normalen Alltag.

Zu ihnen würde ich auch die Lebens-Künstler:innen zählen, die vielleicht nicht direkt „Kunst“ im traditionellen Sinne anbieten, aber alles, was sie tun und teilen mit ihrer künstlerischen Ader bereichern. Zum Beispiel Andrea Schroeder, die auf ihrem Blog aus ihrem handgezeichneten (Art)Journal teilt, sämtliche Kurse selbst illustriert und dabei ihre Community einlädt auch selbst kreativ zu werden und die eigenen Herzensträume zu leben. Oder Susanna Kubarth, die in Geldthemen Magie und Praxis verwebt und nebenher im Gespräch Schaubilder für ihre Coachees und Workshopteilnehmer:innen zeichnet, mit denen man sich alles viel besser vorstellen und merken kann.

Es gibt Lebensmusen, die die Herausforderungen unserer Zeit in ihre Arbeit integrieren und ihre Kunst als Beitrag sehen, mit mehr Verbundenheit, Kraft, Vertrauen und resourcefulness den Alltag zu navigieren und dabei eine hoffnungsvollere Gesellschaft für alle zu erschaffen.

Und es gibt solche, die schwere Themen nicht ansprechen und sich ganz und gar auf die Magie der Kreativität und schöpferischen Lebenshaltung konzentrieren – ohne dabei den Impact explizit mitzubeleuchten.

Lebensmusen sind nicht als Charakter inszeniert, wie die Celebrities, bleiben aber auch nicht als private Persönlichkeit im Hintergrund wie die Mentorin.

Sie inspirieren durch ihre Art, die Welt zu sehen (über ihre Kunst hinaus, in allem was und wie sie es tun), sie zeigen wie eine kreative Seele ihren Alltag gestaltet, oft arbeiten sie in natur-inspirierten Rhythmen und Zyklen und ihre Sammler:innen identifizieren sich nicht nur mit ihren Werken, sondern mit ihnen als Muse für ihr eigenes gut gelungenes Leben, in dem im Alltag wieder mehr Magie und Zauber einziehen darf.

Noch ein paar Beispiele – und: Die Mischung macht’s!

Natürlich hat meine Einteilung und Beobachtung der 5 Typen Grenzen und ziemlich oft (so gut wie immer?) sind die Künstler:innen auch einzigartige Mischungen aus 2 oder 3 der Typen.

Kelly Rae Roberts ist für mich zum Beispiel sofort als wunderbares Beispiel für Die Lehrerin aufgeploppt. Sie führt aber auch ein tiefes thematisches Movement an, das größer als ihre Kunst ist (”The Possibilitarians”) und teilt aus ihren Lebensbeobachtungen als Mutter, Frau in den Wechseljahren und kreativ veranlagte Seele. Sie verkörpert also zusätzlich zur Lehrerin auf jeden Fall auch viel Lebensmuse.

Eine meiner lebenden Lieblingskünstlerinnen ist Amy T. Won. Bis sie vor einigen Jahren ihren Instagram Account geschlossen hat, hab ich es geliebt dort durch ihre Posts und Stories zu wandern. Für mich ist sie der Inbegriff für eine Künstlerin, die vor allem Lebensmuse ist, das aber mit dem Esprit der Mentorin macht.

Inspiriert von ihrem Teilen konnte ich auf meinen eigenen Spaziergängen mit ihren Augen die Natur um mich herum bestaunen. Sie hat das neugierige Feenkind in mir geweckt, das sich über jede Blüte und jeden mystischen Nebelschleier in der Ferne freut. Gleichzeitig hat sie allerdings im Gegensatz zu anderen Lebensmuse-Künstlerinnen nur sehr wenig Persönliches öffentlich auf Instagram geteilt, das über ihre Naturzauberkunst hinaus ging.

Wozu diese Typ:innen gut sind und meine Quintessenz daraus

Mir hat diese Reflexion darüber, was eine Künstlerin alles sein kann, geholfen, einzuordnen, was zu mir passt an all den Ideen und Möglichkeiten da draußen, in der Welt zu wirken: Was natürlicherweise meine Art ist, was ich tun möchte und kann. Wo mein wahrer Impact liegt.

Und auch: Was ich weder brauche noch machen möchte, um mit und von meiner Kunst zu leben (siehe Celebrity und Lehrerin).

Das Ergebnis für mich ist bisher:

Ich male tatsächlich schon immer identitätsstiftende Werke, die dich an den Kern erinnern, wer du wirklich bist und sein darfst (in meinen Augen nämlich ein zauberhaftes, wunderschönes, blühendes Seelenwesen, das ursprünglich und hoffentlich (bald) wieder richtig viel Lust auf ihr Leben hat).

Gleichzeitig möchte ich auch eine Lebensmuse sein, die dazu beiträgt, dass wir in dieser verrückten, teilweise so unglaublich zehrenden Welt, wieder mehr Zauber in unseren Alltag zurückbringen.

Und mir geht es um noch mehr:

Ich will einen Lebenswandel mitgestalten, in dem unsere Herzen aufatmen können. Du wieder fühlst, dass du Platz hast in deinem Leben.

Und wir uns erinnern, dass das ein wesentlicher Aspekt und die Grundlage eines wirklich gut gelebten Lebens ist, für uns selbst UND für unsere Mitwesen.

Mein tieferes Warum darunter ist mitzuhelfen, dass wir alle die Kapazität bekommen, uns unseren Talenten, Ressourcen und Privilegien entsprechend für die Themen unserer Zeit einzusetzen. Ich bin nicht die, die an der Front mitkämpft, aber ich kann die sein, die darauf achtet, dass wir dabei uns selbst und unsere tiefe Lebensliebe nicht verlieren.

Und dafür durfte ich für mich erkennen, dass es mir nicht reicht, wenn ich dir nur von meinen tollen neuen Werken erzähle und mich selbst hinter den bestärkenden Gedanken und Wünschen verstecke, die ich darin für dich erlebbar machen wollte.

Ich möchte mit dir in große Fragen hineinleben und es OK sein lassen, erstmal keine Antworten zu haben – und trotzdem was zu unternehmen. Ich möchte dir so gern vom Zauber meiner Welt etwas abgeben. Von diesem goldenen Funkeln, das sich durch meine Tage zieht, wenn ich tatsächlich in mir ruhe, bei mir bin und trotzdem da bin für meine Mitwesen.

Den Sumpf UND die kleinen Wunder ehren, weil die genau das sind, was unsere Kapazität stärkt.

Deshalb: Ein Mix aus Lebensmuse und Mentorin mit einem Schuss Aktivistin.

(Wie genau dieser Mix im gelebten Künstlerinnen-Alltag aussieht, das erforsche ich übrigens gerade mit einem Experiment. Dazu berichte ich immer wieder in den Studio Briefen.)

Und du? Wer bist du in der Welt, wenn du es auf deine Art sein darfst?

Auch wenn du selbst keine schaffende Künstlerin bist oder werden möchtest, diese Grundidee könnte tatsächlich auch für andere Berufungen ein heilsamer Ansatzpunkt für Klarheit sein. Zum Beispiel für freie Pädagog:innen oder Menschen in Heilberufen aller Art.

Du könntest Yoga- oder Achtsamkeitslehrerin sein. Die Frage ist: Wie willst du das einsetzen, was ist dein Wirkkreis?

Die Frage ist also ganz grundsätzlich:

  • Bist du in diesem Leben hier, in deinem Bereich (oder sogar global) massive Innovation zu initiieren, Ruhm und Projektion zu meistern und eine (inzenierte) Rolle zu verkörpern? (Celebrity)
  • Willst du vor allem deine Methoden weitergeben, Kolleg:innen ausbilden und mithelfen, dass die heilsamsten Tools unters Volk kommen? (Lehrer:in)
  • Bist du hier, um die Gesellschaft zu bewegen? Deine Talente dafür einzusetzen, Benachteiligten Gruppen Zugang und Möglichkeiten zu verschaffen? (Aktivist:in)
  • Verschreibst du dich einem tief menschlichen Thema und hilfst Einzelnen oder (kleinen) Gruppen sich in genau diesem Bereich persönlich weiterzuentwickeln? (Mentor:in)
  • Bist du eine, die anderen (vielleicht ähnlich veranlagten Menschen oder Menschen in ähnlichen Lebensumständen), vorlebt, wie ein Alltag in Präsenz und Würde aussehen könnte? (Lebensmuse)

Was wäre die Mischung, die dich erfüllt und wo du wüsstest, dass du genau dafür gemacht bist? Was ist die Mischung, in der du dich am wirkungsvollsten erlebst?

Vielleicht ist das hier einfach ein nützlicher Kompass

Ein Kompass, um zu erinnern, wo es als nächstes für uns lang geht. Um geerdete Entscheidungen zu treffen, ob etwas zu unserem Angebotsportfolio passt und zu unserer Art uns mit unseren Communities, mit unseren Kund:innen, Klient:innen und Sammler:innen zu verbinden.

Ich glaube, in der heutigen Welt brauchen wir alle Typ:innen, jede Mischung davon und jede einzigartige unnachahmliche Ausprägung (und ganz bestimmt auch die, die ich hier nicht mitbedacht habe).

Jede hat Stärken und Schwächen, ihre ganz eigene Wirktiefe und ihren eigenen Wirkkreis, der für unterschiedliche Menschen an unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben ein Segen ist.

Die Frage dahinter ist: Wofür bist du hier? Wer willst du sein und welcher Segen bist du für unsere Welt, wenn du ganz in deinem Element bist?

Das ist tatsächlich auch oft der rote Faden in den Fühlsessions, wenn ich Auftragswerke male. Dafür sind die Essenzsymbole in Wahrheit Anker, Ausrichtung und Katalysator. Ich gebe dir gern den Raum, wenn es für dich Zeit ist, (noch tiefer) in diese Fragen zu tauchen und in deine eigenen Antworten hineinzuleben.

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